Fuß- und Sprunggelenkschirurgie



Fußchirurgie

Unterschenkel und Fuß stellen eine unterstützende Tragsäule für den Körper dar. Der rechtwinklig zur Tragsäule abgeknickte Fuß bildet ein Gewölbe, das die Körperlast federnd- elastisch abfangen kann. Der Fuß besteht in der Regel aus 28 unterschiedlich großen und verschieden geformten Knochen, die gewölbeförmig angeordnet sind, ein Längsgewölbe und Quergewölbe bilden. Man unterscheidet Fußwurzel, Mittelfuß und Zehen. Die Knochen sind durch zahlreiche Gelenke verbunden. Jeder Zehenstrahl setzt sich aus 3 Elementen zusammen, die durch Scharniergelenke miteinander verbunden sind (Grund-, Mittel- und Endglied). Nur der erste Zehenstrahl besteht aus 2 Teilstücken, ein Mittelglied fehlt. Auch an der Kleinzehe sind häufig nur 2 Glieder vorhanden. Die Fußwurzelknochen lassen sich in 2 Gruppen anordnen, die sog. Fußstrahlen. Der innenseitige Fußstrahl umfasst die ersten 3 Zehenstrahlen, die 3 Keilbeine, das Kahnbein und das Sprungbein. Der außenseitige Fußstrahl entsteht aus dem 4. und 5. Zehenstrahl, dem Würfelbein und dem Fersenbein (X in Abb.1).
Das Fußlängsgewölbe kommt dadurch zu Stande, dass der innere Fußstrahl, der am Sprungbein endet, schräg auf dem äußeren Fußstrahl, der im Fersenbein endet, aufgelagert ist.  Der innenseitige Fußstrahl wird dadurch um mehrere Zentimeter vom Boden abgehoben.
Erst das Grundgelenk der Großzehe findet wieder Bodenkontakt.
Dem gegenüber liegt der außenseitige Fußrand überall dem Boden auf. In krankhaften Fällen kann das Fußgewölbe unter der Last des Körpergewichtes einsinken und zum Plattfuß führen, was wie rechts dargestellt zu einer Veränderung der Druckbelastung führt.

 

Abb. 1: Anatomie des Fußes

Vorfußveränderungen können durch degenerativen Veränderungen, angeborene Veränderungen, Tumore oder Entzündungen, Bandschwächen oder neurologische Krankheiten hervorgeru?fen werden.
Das Vorliegen eines Hallux valgus ist meist beim Jugendlichen vor dem 14. Lebensjahr erkennbar. Ein familiär gehäuftes Vorkommen der Deformität ist bekannt, Schuhprobleme führen in 80 bis 90% zu einer Operation. Fast 90% der zu operierenden Füße sind die von Frauen. Schuhe mit hohen Absätzen sowie eng zulaufende Schuhe begünstigen die Hallux valgus- Bildung und verstärken die Beschwerden.

Abb.2: Spreizfuß, Hallux valgus und Hammerzehenbildung

Das Auftreten bei chronischer Polyarthritis, bei Rheuma oder beim Lähmungsfuß, erworbene oder angeborene Bandschwächen und Verletzungsfolgen können ebenfalls zu dieser Fehlstellung führen.

Die Hauptbeschwerden entstehen über der inneren Frostballen. Eine Entzündung des durch mechanische Belastung aufgetretenen Schleimbeutels ist häufig und kann bis zur eitrigen Entzündung führen.
Diese Fehlform ist häufig mit einem Spreizfuß kombiniert, da das Ab?driften des 1. Mittelfußknochens nach innen zu einer Überlastung im Bereich der Mittelfußköpfchen II und IV mit zu beobachtenden Mittelfußschmerzen in diesem Bereich führen kann. Die verstärkte Belastung führt häufig zur Entstehung von Hammer- und Krallenzehen der 2. bis 5. Zehe sowie durch eine Schwächung von Bandstrukturen im Bereich der Zehengrundgelenke zu einer Verrenkung in den Zehengrundgelenken II bis IV.
Eine konservative Therapie beim Hallux valgus kann keine Heilung erzielen, korrigierbar ist lediglich die Begleitsymptomatik durch Verwendung von Einlagen mit Polsterung der Mittelfußköpfchen II bis IV. 

Abb. 3: Verschiedene Einlagen zur Unterstützung des Längs- bzw. Quergewölbes

In ausgeprägten Fällen kann auch eine orthopädische Schuhversorgung angezeigt sein.
Bei entzündlichen Reaktionen ist die Gabe von entzüdungs- und schmerzhemmenden Medikamenten zweckmäßig.
Lokale Salbenanwendungen und Wechselfußbäder können die Beschwerden lindern. Die Verwendung von sog. Hallux valgus-Nachtschienen oder Silikonspreizern hat keinen nachgewiesenen Einfluss auf die Korrektur der Fehlstellung, jedoch einen entlastenden Effekt bei Vorliegen einer Schleimbeutelentzündung über dem Frostballen.
Bei der operativen Behandlung ist der gesamte Fuß zu berücksichti?gen. Die am weitesten hinten vorliegende Fehlstellung muss zuerst korrigiert werden. Die Wahl des Operationsverfahrens hängt vom Alter des Patienten und vom Ausmaß der Fehlstellung und den Verschleißveränderungen im Großzehengrundgelenk ab. Es bestehen Weichteileingriffe, z.B. für Patienten im wachsenden Alter, Abtragung der Knochenvorsprunges, Ablösung von Sehne und Raffung der innenseitigen Kapsel.

   
  

Abb. 4: Unterschiedliche Operationsverfahren bei Hallux valgus und Spreizfuß mit denen eine erhebliche Verschmälerung des Fußes und Korrektur der Fehlform erzielt werden kann.

Bei der Hammerzehe liegen Beugekontrakturen im Zehengrundgelenk oder seltener auch im Endgelenk und häufig Auftreten einer Schwielenbildung über dem Endgelenk vor.
Bei der Klauenzehe dagegen Ausrenkung im Zehengrundgelenk, Beugekontraktur im Mittelgelenk und Überstreckung des Endgelenkes.
Bei der Krallenzehe finden wir eine Ausrenkung im Zehengrundgelenk, Beugekontraktur im Mittel- und Endgelenk. Von seltenen angeborenen Krallenzehenformen abgesehen, handelt es sich meist um eine sekundäre Deformität. Die anfänglich flexible Hammerzehe ist korrigierbar.
An nicht operativen Maßnahmen besteht die Möglichkeit der Korrektur durch Pflasterverbände oder Weichbettung der Schwielen, dies führt jedoch nur bei den Frühformen zu bleibendem Erfolg. Eine Modelleinlagenversorgung mit ermöglicht oft eine vollständige Korrektur der Frühform. Ist die Fehlstellung fixiert ist die Operation erforderlich.
Beim operativen Vorgehen muss zwischen flexibler und fixierter Hammerzehe unterschieden werden. Je nachdem kann gelenkerhaltend mit Sehnenversetzungen oder gelenkentfernend operiert werden. Das Operationsergebnis wird durch einen Bohrdraht, der durch die Ze?henkuppe eingeführt wird, gesichert und verbleibt in der Regel 3 Wochen.

Abb.5: Entfernung des zerstörten Mittelgelenkes bei Hammerzehenbildung und Fixierung mit einem Bohrdraht.

Die einsteifende Arthrose des Großzehengundgelenkes führt ebenfalls häufig zum Arzt. Durch knöcherne Wulstbildung aufgrund eines Gelenkverschleißes kommt es zur Funktionseinschränkung im Großzehengrundgelenk mit Einschränkung der Überstreckfähigkeit.
Die Therapie besteht entweder in der Entfernung der störenden Knochenzacken, der keilförmigen Abtragung des 1. Mittelfußköpfchens oder der Versteifung.

Auch nach der Operation müssen Einlagen getragen werden.
Auch nach der Operation sollten enge Schuh mit hohen Absätzen soweit möglich vermieden werden. Je nach Ausprägungsgrad müssen eventuell dauerhaft orthopädische Maßschuhe getragen werden.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Behandlung von Vorfußveränderungen komplex ist, eine enge Zusammenarbeit zwischen Orthopädieschuhmacher, Arzt, Krankengymnast und Patient erforderlich macht, der Krankengymnast speziell in der Nachbehandlung von Operationen. Der Patient muss mitarbeiten, sich Zeit für die Phase nach der Operation nehmen, die Teilbelastung mit Krücken bis zum Abschluss z. B. der Knochenheilung, konsequent einhalten, die Einlagen tragen und soweit es möglich ist, hohe und enge Schuhe vermeiden, nur so ist es möglich ein dauerhaftes gutes Ergebnis zu erzielen. Des weiteren darf weder Patient noch Arzt unmögliches Erwarten bzw. Versprechen.
Der Komplexität wurde Rechnung getragen durch Gründung der Deutsche Assoziation für Fußchirurgie. Die DAF bietet spezielle Operationskurse und Weiterbildungen an, die z.B. in der Orthopädischen Abteilung am Klinikum Neumarkt das konservative - und operative Spektrum zum Wohle des Patienten erheblich erweitert hat.

 

Sprunggelenkschirurgie

Die operative Behandlung umfasst z. B.

gelenkerhaltende Maßnahmen wie das Abtragen funktionsstörender Knochenzacken bei der Arthrose des Sprunggelenkes.
Der Wiederfixierung von minderdurchbluteten Knochenanteilen des Sprungbeines, der Osteochondrosis dissecans des Talus.
Der Versteifung des oberen oder unteren Sprunggelenkes mit oder ohne Achskorrektur
Kunstgelenkersatz des oberen Sprunggelenkes 
Sprunggelenksnahe Achskorrekturoperationen des Unterschenkels bei Fehlstellungen im oberen Sprunggelenk 
Abtragung von Fersenspornen "Haglundferse"
u. v. m.

 

Abb. 6: Versteifung des oberen Sprunggelenkes

 

Abb. 7: Abtragung einer Haglundexostose (hinterer Fersensporn)

 

Abb. 8: Versteifung eines Mittelfußgelenkes (Talonaviculargelenk) mit Klammern.

 

Abb. 9: Abtragen funktionsstörender Knochenzacken bei beginnender Arthrose des oberen Sprunggelenkes.

 

Abb. 10: Sprunggelenksprothese und Versteifung eines Mittelfußgelenkes mit Klammern.

 

Abb. 11: Refixation einer "Osteochondrosis Dissecans tali" mit Drähten.

 

Aktuelle Termine



24.10.2019   18:30 Uhr

EndoProthetikZentrum Patientenveranstaltung


Die minimalinvasive Hüftendoprothese [ ... mehr]


25.10.2019   13:30 Uhr

Führung durch die Palliativstation


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30.10.2019   18:00 Uhr

Infoabend für Schwangere


Das Klinikum Neumarkt veranstaltet immer am letzten Mittwoch des Monats einen Infoabend für Schwangere. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich. [ ... mehr]


05.11.2019   09:30 Uhr bis 11:00 Uhr

Still-Treff auf der Wöchnerinnenstation


Das späte Frühgeborenen und seine besonderen Bedürfnisse [ ... mehr]


18.11.2019   08:30 Uhr bis 14:30 Uhr

Diabetesschulung


für Diabetes mellitus Typ 1 [ ... mehr]



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